Die Bildenden Künste
Zur Verherrlichung der Macht und zur Prachtentfaltung eines absolutistischen Hofes spielten die Bildenden Künste eine entscheidende Rolle.
Gemäldegalerie
Die herausragende Kunstsammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz-Neuburg und seiner zweiten Gemahlin Anna Maria Luisa de' Medici war die Patin der lebendigen Düsseldorfer Kunstszene von heute. Ohne sie wäre in Düsseldorf niemals eine Akademie gegründet worden. Die Sammlung gibt exemplarisch Auskunft darüber, wie die höfische Gesellschaft im Übergang vom Barock zum Klassizismus auf weite Kreise des Bürgertums geschmacksbildend gewirkt hat.

Andreas Achenbach: Gemäldegalerie mit Blick in den Hof des Akademiegebäudes, Ausschnitt aus dem Gemälde von Andreas Achenbach 'Die Alte Akademie', 1831, Öl/Lw., Düsseldorf, Stiftung museum kunst palast
In rund 40 Jahren, von 1680 bis 1716, baute das Fürstenpaar eine an Qualität und Umfang einzigartige Sammlung auf, die den Ruf Düsseldorfs als Kunststadt europaweit begründete. Gestützt auf die Gemäldeerbschaft seines Großvaters, Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm, erwarb der Enkel aus berühmten Sammlungen, auf Auktionen oder direkt von Künstlern. Hinzu kamen Schenkungen und das Heiratsgut der Kurfürstin mit kostbaren Kunstwerken vom Florentiner Hof.
Die Düsseldorfer Galerie war eine der ersten, die ihre Tore für Besucher aus ganz Europa öffnete. Schon im 18. Jahrhundert entwickelte sie sich zur berühmtesten und bestbesuchten Galerie des deutschsprachigen Raumes und zog zahlreiche Gelehrte und Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe oder Johann Jakob W. Heinse ("Gemäldebriefe"), aber auch Bildende Künstler nach Düsseldorf, denn das Kopieren der Meisterwerke war dort schon früh erlaubt.

Peter Paul Rubens: Venus und Adonis, um 1610, Öl/Lw., museum kunst palast Düsseldorf, Dauerleihgabe der Kunstakademie
Der Bilderschatz von rund 1000 Gemälden war berühmt sowohl für seine italienischen Meisterwerke von Caravaggio, Michelangelo, Raffael, Tizian oder Leonardo da Vinci, als auch für die niederländischen und flämischen Gemälde des Goldenen Zeitalters von Van Dyck, Rembrandt oder Jan Brueghel d. Ä., besonders aber für die 46 Hauptwerke des Peter Paul Rubens. Die persönliche Vorliebe des Kurfürstenpaares aber galt den zeitgenössischen Feinmalern wie Adriaen van der Werff oder Rachel Ruysch aus den Niederlanden.
Während die offizielle Kunstsammlung auf das Stadtschloss, das Jagdschloss in Bensberg und die Sommerresidenz in Benrath verteilt war, schmückte die private Sammlung von nochmals circa 300 Gemälden die Privatgemächer im Stadtschloss. Luxusgüter aller Art, darunter Skulpturen aus Bronze und Elfenbein namhafter Florentiner Bildhauer, Antiken und Antikenkopien nicht aus Gips, sondern aus dem hochwertigeren Scagliola, bildeten Deutschlands größte Skulpturen- und Antikensammlung. Hinzu kam eine Münz- und Medaillensammlung von über 10.000 Stück, physikalische und optische Geräte, Mineralien, Musikinstrumente, Textilien und kostbare Möbel sowie eine reiche Büchersammlung, deren Reste sich heute in der Universitätsbibliothek befinden. Die Fürstin sammelte leidenschaftlich Porzellane, Gläser, Juwelen und Silbergeräte.
Das 1709-1714 errichtete Galeriegebäude, das heute bis auf Reste des Ostflügels zerstört ist, stellte architektonisch eine Innovation dar. Entworfen vom venezianischen Architekten Matteo Alberti und ausgeführt vom Hofarchitekten Jacob Dubois verwirklichte Jan Wellem einen der frühesten eigenständigen Museumsbauten modernen Zuschnitts im deutschsprachigen Raum. Es war der entscheidende Schritt vom fürstlichen Privatkabinett zu einem öffentlichen Museum.

Christian Mechel: Aufriss und Schnitt des Galeriegebäudes, Stadtschloss Düsseldorf, um 1710, Kupferstich 1776, in: Pigage: Galerie Electorale... 1778
Die zweigeschossige Dreiflügelanlage war mit einer separaten Treppe an der Südwestseite des Schlosses angefügt. Das Treppenhaus war in zurückhaltenden Grautönen des Galeriedirektors Gerhard Joseph Karsch und die Decken und Wände der Galerie von Dekorationsmalern aus Italien ausgemalt. Im Erdgeschoss waren die antiken Abgüsse aufgestellt, die Gemäldegalerie entfaltete sich in aller Pracht in der Beletage, und im dritten Stock war die "Antiquitäten-Kammer" mit der Münz- und Medaillensammlung zu Hause. Monumentale Altäre wie Rubens "Jüngstes Gericht" mit einer Höhe von fünf Metern gaben die Raumhöhe von etwa neun Metern vor. Für die kleinen Formate war der Wechsel von fünf großen Schau- und zwei kleinen Ecksälen günstig. Vierzehn kostbare Marmortische dienten der Präsentation der wissenschaftlichen Objekte, Kleinbronzen, Elfenbeine, Silberwerk und Porzellan-Pyramiden.
Jan Wellems Kunstsammlung war Anlass für das erste Sammlungsverzeichnis, das an einem deutschen Hof gedruckt wurde. Es stammt aus der Feder des Galeriedirektors Karsch und wurde 1716 zum Tode Jan Wellems aufgestellt. Wiederum der erste kritische und illustrierte Sammlungskatalog Deutschlands widmete sich ebenfalls der Düsseldorfer Gemäldegalerie und wurde 1778 vom Oberbau- und Gartendirektor Nicolas de Pigage in zwei Prachtbänden publiziert.

M. G. Eichler: Wandaufriss des Rubenssaales mit dem "Jüngsten Gericht" im Galeriegebäude des Stadtschosses, 1776, Kupferstich: in: Nicolas de Pigage: Galerie Electorale, Düsseldorf 1778
In diesem "Galeriewerk" geben Kupferstiche die neuartige Hängung in Wandaufrissen wieder. Die Besucher sollten "stufenweise bis zum Gipfel der Kunst", das heißt bis zum 'Saal des Rubens' geführt werden. Deshalb waren die Kunstwerke nicht mehr nach Größe oder Themen, sondern nach Kunstlandschaften, Malschulen und Gattungen präsentiert und in einem symmetrischen, spiegelbildlichen Muster um ein zentrales Mittelbild gruppiert.
1806 ging der größte Teil der kurfürstlichen Sammlung durch Erbfolge für Düsseldorf verloren und bildet noch heute Ruhm und Glanz der 1826-1836 errichteten Pinakothek in München und von Schloss Schließheim. Dennoch sind in Düsseldorf weit mehr Werke als vielfach vermutet erhalten. Im museum kunst palast sind unter den 50 Werken kurfürstlicher Herkunft vor allem die monumentale "Himmelfahrt Mariae" und "Venus und Adonis" von Rubens als Dauerleihgabe der Kunstakademie neben Douvens "Reiterbildnis des Jan Wellem" und den Marmorbüsten des Bildhauers Gabriel de Grupello zu bewundern.


