Jan Wellems Reiterstandbild
Der Kurfürst ehrte sich selbst
1711 von Grupello in Bronze gegossen/8.000 kg schwer/Eine der schönsten Barockplastiken
Vor mehr als 500 Jahren wurde das Städtchen an der Düssel zur Residenz. Was zögernd begann, bekam unter der Ägide von Kürfürst Jan Wellem (1679-1716) deutliche Konturen.

Jan-Wellem-Reiterstandbild auf dem Marktplatz.
Dieser Kurfürst ist für die Düsseldorfer nicht irgendwer. Er ist stets dabei, wenn die Menschen in der Stadt feiern, trauern oder sich einfach nur begegnen. Der Kurfürst in Bronze, hoch zu Ross, beherrscht den Marktplatz, sieht sich von den Verwaltungs- und Repräsentationsbauten der Stadtdemokratie eingefasst, blickt auf das bunte Treiben der Altstadt. Schlagen die Wogen der Freude besonders hoch - zum Beispiel in der Karnevalszeit -, dann klettern schon mal junge Leute auf das mächtige Schlachtross und lassen sich auf dem Schoß des Kurfürsten nieder. Das ist nicht anders als beim kleinen Heinrich Heine, der ebenfalls von dieser hohen Warte "auf das bunte Markttreiben" blickte.
Das mächtige Standbild, das sich der Kurfürst schon zu Lebzeiten (1711) setzen ließ, gilt als eine der bedeutendsten Barockplastiken nördlich der Alpen. Dieses Werk des gebürtigen Flamen Gabriel de Grupello wird wohl nur noch vom Standbild des Großen Kurfürsten übertroffen, das 15 Jahre zuvor Andreas Schlüter im fernen Berlin schuf und das heute vor dem Schloss Charlottenburg zu bewundern ist.
Es gehört zur Verklärung, die das Ansehen des Kurfürsten bei den Düsseldorfern erfuhr, dass die Sockelinschrift behauptet, die "Dankbare Bürgerschaft" habe das 8.000 Kilogramm schwere Reiterstandbild gestiftet. Doch was heißt dies schon? Die Erinnerung verschönt vieles. Man darf sich freuen, dass Napoleons Heere das Standbild nicht - wie geplant - entführten. 1831 wurde der schlichte Sockel erneuert (Entwurf: Adolf von Vagedes).
Auch weiteren Gefährdungen zeigte sich der Kurfürst gewachsen. Als die Bomben des 2. Weltkrieges fielen, transportierten die Düsseldorfer das wertvolle Kunstwerk im November 1944 nach Gerresheim, stellten es sicher in einem Bergstollen unter. Im Herbst 1945 feierte das zerschlagene Düsseldorf die Rückkehr des Jan Wellem zum angestammten Platze. Die, die das erlebten, berichten, dass es ein Freudenfest war - trotz der Trümmerwüste.


