Die Königsallee
Das Wasser prägt den Boulevard / Die Düsseldorfer Königsallee hat internationalen Ruf / Exklusiver Einzelhandel und Bankenzentrum
Die Düsseldorfer Königsallee gehört zu der kleinen Gruppe von international bekannten Straßen, die sich zu Recht als Boulevard bezeichnen. Von ihren Freunden in aller Welt liebevoll "Kö" genannt, steht sie immer wieder im Mittelpunkt, wenn von Düsseldorf die Rede ist. Hier verdichtet sich der Rhythmus einer Stadt zur Selbstdarstellung. Inszenierungen ohne Drehbuch laufen ständig ab. Die Kö ist die Bühne, Darsteller und Publikum sind die Menschen, die die Kö bevölkern. Ohne Menschen ist die Kö nicht denkbar, wäre sie nur eine kalte Schönheit.
Knapp einen Kilometer lang erstreckt sich die Königsallee von Nord nach Süd, vom Hofgarten bis zur Friedrichstadt. Geprägt wird der Boulevard durch den 580 Meter langen und 32 Meter breiten Stadtgraben, in dem echtes Düssel-Wasser fließt. 5.000 Quadratmeter grüne Böschungen säumen das Wasser, wo inmitten der Stadt Schwäne und Enten beschaulich ihre Runden ziehen. Charakteristisch für die Königsallee sind die Kastanien, knapp 120 dieser Bäume stehen entlang der Straße. Dazu kommen noch einmal rund 85 Platanen, die das Bild der Straße mit bestimmen.
Getrennt durch das Wasser des Stadtgrabens, aber verbunden durch mehrere Brücken haben sich Ost- und Westseite der Königsallee unterschiedlich entwickelt. Die Westseite ist vor allem Bankensitz. Dort sind Deutsche Bank und Dresdner Bank mit jeweils einem ganzen Block vertreten, ist die älteste Düsseldorfer Privatbank, Trinkaus, ansässig. Ganz anders dagegen die Ostseite, wo der Einzelhandel dominiert. Nicht zu übersehen ist der Hang zur Exklusivität. Immer mehr international renommierte Namen drängen an die Königsallee. Der traditionelle Einzelhandel mußte vor Filialisten zurückweichen. Thema Nummer eins ist die Mode. Kein Wunder in einer Stadt, in der die IGEDO zu Hause ist und die zu den Modezentren der Welt zählt. Interessant auch das Käufer-Publikum. Untersuchungen ergaben, dass rund ein Drittel aus dem Großraum Düsseldorf kommen, zwei Drittel jedoch aus aller Welt. Viele reisen nur mit dem Ziel "Kö" nach Düsseldorf, andere wieder nutzen den Geschäfts- oder Messeaufenthalt für einen Abstecher.
1985 erfuhr die Königsallee die letzte tiefgreifende Veränderung. Anlieger und Stadtverwaltung entwickelten gemeinsam die Pläne zur Neugestaltung der Ostseite. Speziell nur für die Kö wurden Gestaltungselemente entwickelt. Laternen, Poller, Uhren, Telefonzellen und Kioske sind im wahrsten Sinne des Wortes maßgeschneidert. Im Juni 2000 wurde auf der Kö erstmals in Düsseldorf eine "Blaue Zone" zur Parkerleichterung eingerichtet.
Die Geburtsstunde der Königsallee schlug in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts, als die alten Stadtbefestigungen fielen. Pläne reiften, auf dem abgeräumten Festungsgelände großzügige Straßen anzulegen, die zugleich auch eine Abgrenzung der damals 16.000 Einwohner zählenden Stadt darstellen sollten. Schon 1804 waren die Arbeiten beendet. Der Stadtgraben führte Wasser, Bäume waren gepflanzt. Gartenbaumeister Maximilian Friedrich Weyhe, der zusammen mit Hofbaumeister Caspar Anton Huschberger wesentlichen Anteil an der Gestaltung der neuen Straße hatte, bezeichnete sie als "Allee außerhalb der Stadt".
Als ab 1840 die Friedrichstadt heranwuchs, begann auch für die damals "Kastanienallee" genannte heutige Kö der Aufschwung. Etablierte Bürger bauten hier ihre Häuser, die Straße mit dem charakteristischen Wassergraben war nicht länger Peripherie, sondern rückte mehr und mehr in den Mittelpunkt. 1851 erhielt sie den Namen "Königsallee", als Geste gegenüber dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV, dem auf dieser Straße drei Jahre zuvor Unerhörtes widerfahren sein soll. Traf doch hier ein von frevelnder Untertanenhand geschleuderter Rossapfel den Mantel Ihrer Majestät. Die Düsseldorfer Stadtväter, so die Anekdote, grübelten lange, wie sie solche Schmach wiedergutmachen sollten. Kurzum, die bisherige "Kastanienallee" wurde zur Ehrenrettung der Stadt in "Königsallee" umbenannt. All dies galt übrigens nur für die östlichen Seite. Die westliche hieß weiterhin Canalstraße und wurde erst 1905 auch dem Namen nach Bestandteil der Königsallee.
Düsseldorf entwickelte sich stürmisch. Bereits 1882 war mit der Zahl von 100.000 Einwohnern die Schwelle zur Großstadt überschritten. Auch die Bedeutung der Königsallee wuchs. Beispielhaft ist die Geschichte des heutigen Kaufhof-Baus. Joseph Maria Olbrich war der Architekt des Kaufhauses Tietz, das 1907 auf der Königsallee seine Pforten öffnete. Der heutige Eigentümer wirbt bewusst mit dem Image vom "Kaufhof an der Kö".
Das Wirtschaftswunder in den fünfziger und frühen sechziger Jahren bescherte der Kö den Aufstieg zum internationalen Boulevard. Eine neu gebaute Parallelstraße, die Berliner Allee, befreite die Kö vom Durchgangsverkehr. Von 1965 bis 1967 entstand auf der Ostseite als richtungsweisendes Architekturkonzept das "Kö-Center". Es vereinte knapp 70 Einzelhandelsgeschäfte mit Büros und Verwaltungsräumen. Dieser Passage folgten weitere. Die schmalen, tiefen Grundstücke waren hierfür ideal. Herausragende Beispiele auf der Westseite sind die Trinkaus-Galerie (1974) und das WZ-Center (1980), auf der Ostseite das Kö-Center (1967), die Kö-Galerie (1986) und die Schadow-Arkaden (1994). Der Wandel geht weiter: unweit der Kö entstand das Stilwerk (2000). Der traditionsreiche Breidenbacher Hof, der auf den Umbau wartet, firmiert künftig als Ritz-Carlton Düsseldorf. Weitere Bauvorhaben sind im Gespräch.
Die an Eindrücken so reiche Königsallee hat in den letzten Jahren eine weitere Facette ihrem bereits vielfältigen Charakter hinzugefügt. Mehr und mehr wird sie auch zum Festplatz. Bücherbummel, Kö-Lauf, Karneval und Radschlägerturnier haben sich hier etabliert. Als Höhepunkt des Fest-Geschehens auf Düsseldorfs Flanier-Boulevard gilt unzweifelhaft das bisher viermal stattgefundene Kö-Festival. Allein bei der letzten Veranstaltung 1996 feierten rund eine Million Menschen mit.
Für Schlagzeilen ganz anderer Art sorgte die Kö am 24. Oktober 1994. Seit diesem Tag ist der Boulevard als Gesamtanlage in die Denkmalliste eingetragen. Dies erstreckt sich auch auf den Stadtgraben der Königsallee (1803, von C.A. Huschberger, C.W.G. Bauer und M.F. Weyhe) zusammen mit den Promenaden (von Weyhe), dem Corneliusplatz (1882, von F. Hillebrecht), dem Schalenbrunnen (1882, von L. Müsch) sowie der Tritonen-Gruppe (1898-1902, von F. Coubillier) im Norden, der Girardet-Brücke, der Brücke Benrather Straße/Steinstraße, der Bastionsbrücke, dem Graf-Adolf-Platz (1927/28, von H. Küchler und W. v. Engelhardt) sowie dem Bergischen Löwen (von P. Harth) im Süden. Zur Begründung heißt es: "Die Unterschutzstellung ist aus kunsthistorischen, städtebaulichen und stadtgeschichtlichen Gründen von öffentlichem Interesse, weil sie das Kernstück der von Weyhe um die alte Stadt geschaffenen Anlagen darstellt, welche Düsseldorf den Ruf einer Gartenstadt eintrugen. Die ungewöhnlich reiche Ausstattung mit Skulpturen, dekorativen Brücken und Lampen sowie die architektonischen Fassungen der Kopfbereiche weisen auf den zentralen städtebaulichen und kulturellen Stellenwert dieses Stadtraumes hin."
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