Hintergrund - Basisinformationen
Düsseldorf - die Rheinuferpromenade
Die Stadt kehrte zurück an den Rhein
Jahrhundertprojekt der Tieflegung der Rheinuferstraße leitete neue städtebauliche Entwicklung im Herzen der Stadt ein
Die Anlegung der Promenade vor der Rheinfront der Innenstadt erfüllte einen alten Traum der Düsseldorfer: die Rückkehr der Stadt an den Rhein. Möglich wurde dies erst durch die Tieflegung der Rheinuferstraße. Über Jahrzehnte war die von täglich mehr als 55.000 Fahrzeugen befahrene Straße im Verlauf der Bundesstraße 1 zu einem schier unüberwindbaren Riegel zwischen Stadt und Strom geworden. Vor diesem Hintergrund hatte bei dem baulichen Jahrhundertprojekt von Anfang an die Verbesserung der Lebensqualität und die Verkehrsberuhigung für weite Teile der Innenstadt im Vordergrund aller planerischen Überlegungen gestanden.
Auf einer Länge von 1.928 Metern wurde die wichtigste innerstädtische Nord-Süd-Verbindung in einem bautechnischen und finanziellen Kraftakt unter die Erde verlegt. 300 Millionen Euro flossen in das Projekt. Auf dem Deckel des Tunnels entstand die Promenade, die sich von der Oberkasseler Brücke entlang der Altstadt-Front über 1,5 Kilometer bis zum Landtagsgebäude erstreckt. Geh- und Radwege, 600 Platanen und viel Platz zum Flanieren und Müßiggang kennzeichnen die neue Rheinfront der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Beim Eröffnungsfest im Juni 1995 war eine Million Besucher dabei. Zum absoluten In-Treff hat sich seitdem die große Freitreppe am Burgplatz entwickelt, von der sich die vorbeiziehenden Schiffe und der Sonnenuntergang über dem linksrheinischen Oberkassel wunderbar betrachten lassen. Mit 1,2 Millionen einzelnen Farbpunkten hat Professor Hermann-Josef Kuhna den Seitenwänden der Treppe und der benachbarten Bastion der Burgplatz-Erweiterung eine farbige Gestaltung gegeben.
Dort, wo früher praktisch ohne Unterbrechung der Autostrom entlang floss, bestimmen jetzt die in Zweier- und Dreier-Reihen gepflanzten Bäume, über 120 Bänke mit bester Sicht auf den Rhein und flanierende Menschen das Bild. Besucher, die zum ersten Mal in die Stadt kommen, wollen kaum glauben, dass unter ihren Füßen der komplette Verkehr der Bundesstraße 1 verläuft. Die Autos sind vollkommen verdrängt und auch das Untere Werft, ehemaliger Hafenbereich und dann Parkplatz für bis zu 1.000 Pkw, ist zur großen Freifläche geworden, die Fußgänger, Radfahrer und Rollschuhfahrer gleichermaßen anlockt. Im Tunnel rollt der Verkehr seit dem 15. Dezember 1993. Rund 20 Millionen Kraftfahrzeuge passieren die Röhre pro Jahr - bisher störungsfrei.
Möglich geworden war dieses Projekt erst, als sich der Landtag von Nordrhein-Westfalen auf der Suche nach einem Bauplatz für den Hafen entschied. Doch vor dem Bauplatz verlief im Zuge der Rheinuferstraße eine störende Hochstraße. Stadt und Land verständigten sich 1979, das Tunnelprojekt ins Auge zu fassen, wenn die Finanzierung sichergestellt und der damals in der Innenstadt noch laufende U-Bahn-Bau abgeschlossen wären. 1988 konnte der neue Landtag am Rhein bezogen werden. 1989 beschloß der Rat der Stadt Düsseldorf die Tieflegung der Rheinuferstraße. Der seit 1990 laufende Tunnelbau und die Gestaltung des neuen Ufers waren Eingriffe in das Gefüge der Innenstadt von beträchtlichem Ausmaß. Die angrenzenden Bereiche der Altstadt und der Karlstadt wurden vom Durchgangsverkehr befreit.
Seit Oktober 1997 hat die Promenade eine weitere Attraktion: direkt unter der Rheinkniebrücke entstand "Roncallis Apollo-Varieté". Rund 500 Besucher finden in dem Theater Platz, in dem an die Düsseldorfer Varieté-Tradtion des früheren "Apollo" angeknüpft wird. Architekt Niklaus Fritschti, der auch die Pläne für die Gestaltung der Promenade lieferte, passte das Gebäude genau unter die Brücke ein. Es steht im Überflutungsbereich des Rheins und ist aus diesem Grund mit einem hochwassersicheren Keller ausgestattet.
Blaue Wellenplatten als Kennzeichen
Die Grün- und Flanierzone auf dem Tunneldeckel umfasst eine Fläche von 280.000 Quadratmetern. Zur Befestigung der Geh- und Radwege ist eigens eine wellenförmige Betonsteinplatte im Format von 30 x 60 Zentimetern entwickelt worden. Die Platten weisen ein dezentes Blau auf, glatte und längs gerillte Profile wechseln, symbolisieren den Wellenschlag des vorbeifließenden Rheines. Geh- und Radweg werden durch die Platanenallee getrennt. Zwischen den Bäumen wurde eine Fläche mit einer wassergebundenen Decke angelegt, die auch die Boule-Spieler anlockt.
Auf herausragende Weise ist die neue Promenade an die Altstadt angebunden. Entlang eines nachgebauten alten Hafenbeckens (es war zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgegeben und zugeschüttet worden) und der dabei freigelegten Teile der alten Stadtbefestigung führt eine Verbindung direkt zum Rhein. Unmittelbar am Fluss, in den Kasematten, alten Lagerräumen aus Zeiten des früheren Hafenbetriebs, richteten zwei Düsseldorfer Traditionsbrauereien einen Bierausschank mit einer durchgehenden Theke von 60 Metern Länge ein. Die mit Sonnenschutz versehene vorgelagerte Freifläche lädt zum Genuss des Düsseldorfer Nationalgetränkes, des Alt-Bieres, direkt am Fluss ein. Mehrere zwischen Burgplatz und Schulstraße entstandenen Lokale an der Promenade locken das Publikum bei schönem Wetter in Scharen auf die Terrassen.
Die Tunnel-Röhren wurden im Altstadt-Bereich aus Platzgründen übereinander angeordnet, im südlichen Bereich und an der Einfahrtstrecke im Norden liegen sie dagegen nebeneinander. Beim Bau musste eine bis zu 17 Meter tiefe Baugrube ausgehoben werden. Ein Anschluss an die Altstadt besteht für den Verkehr nur über die Tiefgarage Altstadt/Rheinufer mit ihren 960 Einstellplätzen. In allen Fahrtrichtungen ist die Rheinkniebrücke an den Tunnel angebunden. Landtag, Hafen, Rheinturm und der Kreativ- und Medienbereich an der Kaistraße sowie die Stadtteile Bilk, Friedrichstadt und Unterbilk sind in Höhe des Rheinturms angeschlossen. Auf dem südlichen Tunnelmund prägt das "Düsseldorfer Stadttor", ein 80-Meter-Hochhaus mit rhombenförmigem Grundriss die Silhouette. Das Gebäude wirkt optisch wie ein großes Tor. Seit März 1999 ist es Dienstsitz des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, der mit seiner Staatskanzlei und ihren 305 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in dieses moderne Haus zog.
Technik sorgt für Sicherheit
Im Tunnel selbst steckt, für den Autofahrer meist nicht sichtbar, eine Menge Technik, um den sicheren Betrieb zu gewährleisten. So sind 120 Kilometer Energie- und Nachrichtenkabel verlegt worden. 72 Strahlventilatoren schalten sich bei Sichttrübung oder steigendem CO-Gehalt ein. Zu den sicherheitstechnischen Einrichtungen gehören Brandmeldeanlage, Videoüberwachungs-, Notruf- und Funkanlage. 1.657 Leuchten sorgen in Abhängigkeit von der Tageshelligkeit für das richtige Licht. Zur Brandbekämpfung gibt es in dichten Abständen Hydrantenschränke mit einem Handfeuerlöscher und einem 30-Meter-Wasserschlauch. Eine moderne Tunnelfunkanlage ermöglicht auch im Tunnel den Betrieb von Mobiltelefonen.
Fünf Millionen Euro für noch mehr Sicherheit
Die Stadt Düsseldorf bringt den Rheinufertunnel auf den höchsten und aktuellsten Stand der Sicherheitstechnik. Dazu werden bis Anfang 2006 weitere rund 3,5 Millionen Euro investiert, nachdem bereits vor zwei Jahren Sicherheitsmarkierungen und -beleuchtungen für 1,5 Millionen Euro angebracht worden waren.
Der Tunnel entsprach bei seiner Freigabe nach Planung und Ausführung absolut dem damaligen Stand der Technik. Nach fast zwölfjähriger - nahezu absolut störungsfreier - Betriebszeit setzt die Stadt Düsseldorf nun ein umfangreiches Sicherheitspaket um, durch das der Tunnel bei Sicherheits- und Brandschutztechnik auf den modernsten Stand gebracht wird. Die Erneuerung und Ergänzung der betriebstechnischen Anlagen umfasst ein gewaltiges Bündel von Einzelmaßnahmen. Dazu gehören:
- Einbau einer neuen Brandmeldeerkennung im Tunnel;
- Einbau einer Lautsprecheranlage;
- Installation eines Videoauswertungsprogramms zur Erkennung von Rauch durch Videobildanalyse;
- Einbau einer Edelstahlkabelbühne am Rand der Tunneldecke - sie nimmt 60.000 Meter neue Kabel für Lautsprecher, Lüfter oder auch die Videoanlage auf;
- Erweiterung der Videoanlage um 20 Videokameras;
- Erneuerung von drei Axiallüftern - sie bringen mehr Leistung;
- Ertüchtigung der Zuleitungen für die 72 Strahlventilatoren in E90-Qualität - sie bieten besseren Schutz im Brandfall;
- Einbau von beleuchteten Fahrbahnreflektoren - sie markieren die Kante des Rettungsweges an der Tunnelinnenseite;
- Erweiterung und Neuprogrammierung der Zentralen Leittechnik.
Mit der Fertigstellung des Tunnels und der Promenade konnten Ingenieure, Bauleute und Politiker auf eine wahre Meisterleistung zurückblicken. Nachdem Anfang 1986 die Zusage zur Finanzierung durch das Land Nordrhein-Westfalen mit einem 80-Prozent-Zuschuss gekommen war, wurden bis Mitte 1987 Planungsstudien entworfen. In nur 30 Monaten konnte die komplette Planung einschließlich des Planfeststellungsverfahrens abgeschlossen werden. Im Dezember 1989 hatte der Rat der Stadt den Baubeschluss gefasst. Beim offiziellen Baubeginn am 15. März 1990 sagten die Techniker die Verkehrsfreigabe des Tunnels für den 15. Dezember 1993 zu - und sie hielten auf den Tag genau Wort.
Landeshauptstadt Düsseldorf
Amt für Kommunikation
(Stand: August 2005)

