Phasen der Stadtentwicklung 1854 bis 1914
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Die Jahre um 1850 sind für die Entwicklung von Düsseldorf in mehrerlei Hinsicht von Bedeutung. Gab es im Mai 1848 anläßlich der Wahlen zum Frankfurter Paulskirchenparlament auf der heutigen Heinrich-Heine-Allee ein deutsches Einheitsfest, so gab es im August desselben Jahres einen Skandal, als der preussische König Friedrich Wilhelm IV. auf der Kastanienallee, der heutigen Königsallee, mit Pferdeäpfeln beworfen wurde. Die sehr heftigen Revolutionsunruhen 1848/49, die mit den Namen des Rechtsanwaltes Ferdinand Lassalle, des Dichters Ferdinand Freiligrath, des Kommandeurs der Bürgerwehr Lorenz Cantador und des Arztes Joseph Neunzig verbunden sind, zeigen, dass sich in Düsseldorf eine starke soziale Differenzierung herausgebildet hatte. 1850 ist auch das Jahr, in dem in Düsseldorf die Industrialisierung begann. Vornehmlich belgische Industrielle, so 1852 die Gebrüder Richard, 1854 Gobiet, 1857 Bourouxhe und Piedboeuf, machten mit der Anlage von Puddelstahlwerken in Oberbilk den Anfang. 1860 verlegten die Poensgen aus Schleiden in der Eifel ihre Röhrenwalzwerke nach Düsseldorf. Der Grund für diese Industrieansiedlungen wird zunächst in dem reichlich vorhandenen und billigen Bauland zu sehen sein, dann vor allem in den günstigen Verkehrswegen, die der Rhein und die Eisenbahnlinien in das Ruhrgebiet darstellten. Das schnelle Wachstum der Eisenindustrie, aber auch das Ansteigen der Textilindustrie bis noch etwa 1880 bewirkten eine explosionsartige Zunahme der Bevölkerung. Betrug die Einwohnerzahl Düsseldorfs um 1840 etwa 35.000, so verdoppelte sie sich in nur 30 Jahren auf über 70.000 im Jahre 1870. Fünfzig Prozent davon waren zugezogen, vor allem aus dem Bergischen Land, Westfalen, den östlichen Landesteilen Preussens, aber auch aus Polen und den Niederlanden. In einem 1854 vom preussischen König genehmigten Stadterweiterungsplan sah die Stadt die Schaffung von drei neuen Stadtteilen rings um den bebauten Raum der Innenstadt vor. Damit wurde die bebaute Stadtfläche von 99 auf 375 Hektar erweitert. Im Süden der Stadt hinter den Bahnhöfen der Bergisch-Märkischen und der Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft am jetzigen Graf-Adolf-Platz schuf man die im Rechteckschema angelegte Friedrichstadt. Sie war benannt nach dem preussischen König Friedrich Wilhelm IV. und reichte bis zur Bilker Allee, wodurch der Anschluss an das alte Dorf Bilk geschaffen wurde. Im Osten entstand ein neues Viertel zwischen Schadowstraße, Oststraße und Königsallee, im Nordosten ein Viertel im Winkel zwischen Jägerhof- und Kaiserstraße, das die alte Siedlung Pempelfort in die Innenstadt mit einbezog. Allerdings waren die neuen Stadtteile mit den alten in keiner organischen Weise verbunden, sie wurden lediglich zusammenhanglos um die alte Stadt herumgelegt. Schon sehr schnell wuchs die Stadt über diesen festgelegten Rahmen hinaus, und es entstanden Straßenzüge zwischen der Oststraße und dem späteren Hauptbahnhof, die keinem vorher festgelegten Bauplan folgten. Die großzügig angelegte Friedrichstadt blieb bis 1890 durch die Bahnlinien und den neben der Haroldstraße verlaufenden Schienenstrang von den übrigen Altstadtteilen abgeschnitten. Größere Freiflächen waren für diese Stadtteile nicht vorgesehen. Allerdings sah die Bauverordnung von 1855 vor, dass Höhe und Tiefe der Häuser im Verhältnis zur Straßenbreite stehen sollten.
Nach der Reichsgründung 1871 nahm die Stadt Düsseldorf nicht nur als Industriestadt, sondern auch als Handelsstadt und Stadt der Verwaltungen, Banken, Firmensitze und Versicherungen einen ungeahnten Aufstieg. Düsseldorf konnte nun mit Recht »Schreibtisch des Ruhrgebiets« genannt werden. Besaß die Stadt 1875 rund 80.000 Einwohner, so war schon 1882 die Hunderttausendgrenze erreicht. Im Jahre 1900 wurden 213.000 Einwohner gezählt, im Jahre 1909 - nach der Eingemeindung von Eller, Gerresheim, Heerdt, Himmelgeist, Ludenberg, Stockum und Vennhausen - bereits 328.000, und 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges besaß Düsseldorf 395.000 Einwohner. |
![]() Vignette der Firma Haniel & Lueg an der Grafenberger Allee, um 1890. ![]() Die Jagenberg-Werke in Reisholz, um 1910. |
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