Gekrönte Häupter und Filmstars zählten zu den Gästen
Ein Rückblick in die Geschichte des Nobelhotels Breidenbacher Hof
Der Breidenbacher Hof, gelegen an zentralster Stelle der Düsseldorfer Innenstadt, verkörpert für die vergangenen beiden Jahrhunderte auch ein Kapitel der Stadtgeschichte. In der wechselvollen Entwicklung des Hauses spiegelt sich dabei auch die jüngere Geschichte Düsseldorfs. Das Haus verkörpert gleichzeitig auch die Entwicklung zur Wirtschaftsmetropole und Landeshauptstadt.

Der Breidenbacher Hof um 1870.
Als 1806 die alten Stadtbastionen geschliffen wurden, ersteigerte Wilhelm Breidenbach, der zuvor in der Altstadt eine Gaststätte betrieben hatte, ein vor dem Flinger Tor liegendes Grundstück. Sein Ziel: Nach dem Niedergang des bisherigen ersten Hauses am Platz, dem "Hof von Holland", will er ein Hotel für die Reichen und Mächtigen errichten. Daneben sollte ein Theater errichtet werden.
Eröffnung im Jahr 1812
1812 wurde das prächtige Hotel feierlich eröffnet. Die Geschichte machte dem Hotelier allerdings einen Strich durch die Rechnung: Nach dem Abzug der Franzosen baute die Stadt statt des Theaters ein Gymnasium mit Pausenhof unmittelbar neben das Hotel. Folge: Die aufwändige Seitenfassade wurde verdeckt und es kam zu Lärmbelästigung. Monatelang kämpfte Breidenbach für sein Lebenswerk.
Im Oktober 1829 kam es zu einem Vergleich mit der Stadt. Diese gewährte Breidenbach freien Durchgang zum Kanal und versprach, die Mauer des angrenzenden Schulhofes abzureißen. Doch erst nach weiteren sieben Jahren wurde das Versprechen umgesetzt. Breidenbachs Vision vom freistehenden Prachthotel wurde indes erst 1908 - lange nach seinem Tod - Wirklichkeit, nachdem das Gymnasium abgerissen und der heutige Kaufhof gebaut wurde.
1840 ging der Breidenbacher Hof in die Hände des renommierten Gastronomen Capellen-Heydendahl über. Die aufstrebende Rheinschifffahrt und der Ausbau der Infrastruktur durch die Rheinbrücken und den Anschluss an die Eisenbahn in den 1840er-Jahren belebten die Düsseldorfer Wirtschaft und führten dem Hotel neue Kundschaft aus ganz Europa zu. Der Breidenbacher Hof lag genau zwischen dem neuen Bahnhof an der Königsallee und den Posthaltereien in der Altstadt. Folge: Jeder Reisende, der das Verkehrsmittel wechselte, passierte unweigerlich das Luxushotel.
Gästebuch mit viel Prominenz
Das Gästebuch des Hotels zu jener Zeit liest sich wie das Who's Who deutscher und internationaler Prominenz: Clara und Robert Schuhmann logierten hier ebenso wie der spätere russische Zar Alexander II, Herzog Maximilian von Bayern, der Herzog von Nassau sowie die Prinzen Friedrich, Adalbert und August von Preußen. In den Folgejahren stiegen Könige und Königinnen, Adlige, Politiker und Künstler aus ganz Europa im Breidenbacher Hof ab, um in Düsseldorf ihren Geschäften oder Vergnügungen nachzugehen. Die Reputation des Hotels stieg von Jahr zu Jahr.
Für Aufsehen sorgten regelmäßig auch die öffentlichen Empfänge, die dort gegeben wurden: So empfing Prinz August von Preußen im gediegenen Ambiente des Hotels die gesamte Generalität und das Offizierskorps. Zunehmend verkehrte im Breidenbacher Hof auch der "Wirtschaftsadel", also wichtige Wirtschaftsführer und Kaufleute aus ganz Europa.

Links: Fürst zu Hohenlohe (1902) verlässt in Begleitung das Hotel. Rechts: Hotelvorfahrt im August 1955.
1855 übernahm der Gastwirt Julius Disch das Zepter in der Luxusherberge, verkaufte es jedoch bereits 1872 an eine junge Düsseldorfer Baubank. Mit dem neuen Eigentümer begann die bisher schwierigste Phase der Luxusherberge. Die Baubank ließ die streng klassizistischen Fassaden umbauen und die Kapazität auf 110 Zimmer erweitern. Gegen Ende der 1890er-Jahre stagnierte der Umsatz, da viele Reisende in der Stadt oder der 1892 neu errichteten Tonhalle nächtigten. Durch weitere Modernisierungen wie elektrisches Licht und sanitäre Anlagen in den Zimmern versuchten die Eigentümer gegen zu halten. Mit einem Anbau - mit einer Front von 22 Metern - gelang ihnen 1906 die Trendwende: Die vergrößerten Räumlichkeiten und die edlen Festsäle zogen neue Kunden an, die Umsätze stiegen von Jahr zu Jahr. 1908 ist erstmals vom "Palast-Hotel Breidenbacher Hof" die Rede. Englische Adlige, orientalische Herrscher mit Fez hielten ebenso Einzug wie Künstler und Schriftsteller. Kurz: Der Breidenbacher Hof war in diesen Jahren gesellschaftlicher Mittelpunkt Düsseldorfs.
Nachdem in den 1920er-Jahren die Baubank von einem Bankenkonsortium übernommen wurde und das Hotel in Folge mehrfach den Besitzer wechselte, führte die 1933 gegründete Betriebsgesellschaft Breidenbacher Hof GmbH unter der Leitung von Dr. Georg Linsenmeyer das Hotel in ruhigeres Fahrwasser. Bei einem schweren Bombenangriff am Pfingstsamstag 1943 ging auch der bis dahin verschonte Breidenbacher Hof in einem Inferno von Flammen auf und brannte bis auf die Grundmauern nieder.
Linsenmeyer gelingt Wiederaufbau
Nach zähen mehrjährigen Verhandlungen mit Stadt- und Militärregierung machte sich Linsenmeyer an den Wiederaufbau des einstigen Prachthotels. Schon am 15. August 1950 wurde der neue Breidenbacher Hof feierlich wiedereröffnet. Die Fassade erstrahlte nun in schlichter Sachlichkeit, die Zimmer und Räumlichkeiten waren - nach amerikanischem Vorbild - betont funktional gestaltet und warteten mit Luxus wie Klimaanlagen, Telefonen, schallisolierten Fenstern und Plattenheizungen auf. Die Anlage beherbergte zudem auch erstmals eine Ladenzeile für exklusive Geschäfte.
Schon wenige Monate nach der Neueröffnung war die Luxusherberge voll ausgelastet. Die Messestadt Düsseldorf boomte und zog internationales Publikum en masse an. Bereits 1953 musste der Eigentümer daher neue Innenhofflügel anbauen, um der Gästeschar Herr zu werden: Nunmehr verfügte das Hotel über 210 reguläre Zimmer sowie 30 Alkoven-Zimmer und zehn Appartements. Solch illustre Gäste wie Prinzessin Margaret, Schwester der britischen Königin, Fürst Joseph II von Lichtenstein, Maharani von Baroda oder Juan Carlos von Spanien sowie die Wirtschaftsführer der jungen Bundesrepublik gaben sich die Klinke in die Hand. Der Breidenbacher Hof beherbergte nicht nur die Reichen und Schönen, sondern diente auch als Ausstellungsort für berühmte Juwelenkollektionen und andere Kunstwerke.

Der Breidenbacher Hof am 9. September 1959.
Nach dem Tod Dr. Linsenmeyers 1971, übernahm seine Tochter Renate die Geschäfte. Sie sanierte das Hotel erneut von Grund auf. Dem Zeitgeist entsprechend eröffnete der Breidenbacher Hof 1970 seine erste Diskothek und 1979 einen international renommierten Nachtclub, in dem viele Filmpremieren gefeiert wurden. Hans Albers, Peter Ustinov oder Curd Jürgens waren Stammgäste. Die alten Tugenden - hervorragendes Essen, luxuriöses Ambiente und Diskretion - blieben dabei aber immer erhalten.
Mitte der 1980er-Jahre kaufte Georg Rafael, Gründer der Regent-Hotelkette, das Traditionshotel auf. Die Umwandlung vom Familienunternehmen und die Eingliederung in einen Großkonzern erforderte ein Umdenken: Mehr Eigenverantwortung für die Mitarbeiter, Einführung computergestützter Abläufe, Einbau einer neuen Telefonanlage und verstärktes Marketing. Die neue Führung sorgte für zusätzliche Highlights: Die Gala-Diner-Musical-Abende, bei denen berühmte Künstler zu wohltätigen Zwecken auftraten, entwickelten sich zu einer festen Institution im Düsseldorfer Kulturleben.
Der Umbau der Küche 1986 führte das Hotel zu neuen gastronomischen Höhen. Koch Thomas Rüssel begeisterte seine Gäste mit marktfrischer Ware und ausgefallenen Spezialitäten. Auch das restliche Hotel wurde ab 1986 Stück für Stück auf die Höhe der Zeit gebracht. Den bereits hervorragenden Service baute Hoteldirektor Torriani weiter aus: Gäste konnten fortan einen 24-stündigen Etagenservice in Anspruch nehmen - vom Essen bis hin zum Bügeln.
Abriss im Jahr 2005
Das aktuelle Kapitel beginnt mit dem Erwerb des Hotels durch die die Pearl of Kuwait-Gruppe. Die Eigentümer hatte für die Zeit nach einer geplanten Sanierung bereits einen Pachtvertrag mit der Hotelkette Ritz Carlton geschlossen. Für diese Arbeiten wurde das Hotel 1999 geschlossen. Als sich jedoch bald darauf zeigte, dass sich das Haus wegen seiner schlechten Bausubstanz nicht mehr erhalten ließ und ein Neubau erforderlich war, verschwand das Projekt zunächst in der Versenkung. Derweil zerfiel das Gebäude zusehends bis es schließlich 2005 abgerissen wurde. Als die Eigentümer schließlich erkannten, welches Potential hinter der traditionsreichen Marke steht, beschlossen sie, das Hotel in Eigenregie wieder aufzubauen. Mit Hilfe des Projektentwicklers Chandler KBS und der finanzierenden Eurohypo entstand ein neuer Breidenbacher Hof.
- Bilderschau: Historie des Breidenbacher Hofes
- Breidenbacher Hof: Ein Wahrzeichen der Stadt lebt neu auf



