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Abschied von Oberbürgermeister Erwin

Tausende Trauergäste gaben dem verstorbenen Düsseldorfer Stadtoberhaupt das letzte Geleit

Düsseldorf trägt Trauer. Der verstorbene Oberbürgermeister Joachim Erwin ist von tausenden Menschen auf seinem Weg zur letzten Ruhestätte auf dem Nordfriedhof begleitet worden. Bereits in den vergangenen Tagen hatte sich eine riesige Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern in die ausgelegten Kondolenzbücher eingetragen und dem Stadtoberhaupt, das trotz langer, schwerer Krebserkrankung bis zuletzt in vollem Pflichtbewusstsein seine Amtsgeschäfte wahrnahm, gedacht.

Messse zum Tod von OB Joachim Erwin
Requiem in der Basilika St. Lambertus

Den Auftakt der Trauerfeierlichkeiten bildete ein Requiem in der Basilika St. Lambertus, das per Lautsprecher nach draußen übertragen wurde. In St. Lambertus zelebrierte Stadtdechant Rolf Steinhäuser eine Messe für den am 20. Mai verstorbenen OB. Da Joachim Erwins Ehefrau Hille und seine Kinder katholisch sind, hatte der (protestantische) Oberbürgermeister stets auch eine enge Bindung zur katholischen Kirche. Stadtdechant Rolf Steinhäuser verglich in seiner Predigt das Dasein des Verstorbenen mit dem "Geheimnis des Weizenkorns" aus dem Johannes-Evangelium (Kapitel 12, 24-26), das in die Erde fällt, stirbt und dann reiche Frucht bringt. "Joachim Erwin hat seinen Kampf nicht verloren, sondern das Leben hat gesiegt", so Stadtdechant Steinhäuser. Das Ableben des Oberbürgermeisters, so Steinhäuser, habe ihn zudem auch etwas an den verstorbenen Papst Johannes Paul II. erinnert, "der dem Tod noch so viel Leben abgerungen hat".

Musikalisch gestaltet wurde die Messe vom Chor der Deutschen Oper am Rhein und den Düsseldorfer Symphonikern, die von Wolfgang Amadeus Mozart das "Introitus und Kyrie", "Ave verum" und "Agnus Dei" sowie das "Ave Maria" von Bach vertrugen. Die Fürbitten hielten die Kinder von Joachim Erwin, Tochter Angela und Sohn Markus. Hille Erwin hatte an der Gestaltung der Messe mitgewirkt.

Abschied OB Erwin in der Tonhalle
Trauerfeier in der Düsseldorfer Tonhalle

Rund 1700 Gäste, darunter zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Brauchtum und Sport erwiesen Joachim Erwin anschließend bei der Trauerfeier in der Tonhalle die letzte Ehre. Darunter befanden sich unter anderem NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und NRW-Landtagspräsidentin Regina van Dinther. Auch Düsseldorfs Partnerstädte waren durch Repräsentanten vertreten. Aus Moskau reiste Vize-Oberbürgermeister Viktor Korobtschenko an. Franz Thun vertrat das Kabinett der Warschauer Stadtpräsidentin. Für Chemnitz war Bürgermeister Detlef Nonnen anwesend. Aus der englischen Partnerstadt Reading kam Robert Dimmick, Vorsitzender der Reading-Düsseldorf-Association und ehemaliger Bürgermeister, in die Tonhalle.

Düsseldorfs Erster Bürgermeister Dirk Elbers erinnerte in seiner Trauerrede an die Heimatverbundenheit des Verstorbenen: "Joachim Erwin hat sein Ziel nie aus den Augen verloren. Dieses Ziel lässt sich in einem Wort beschreiben: Düsseldorf. Die Stadtteile zu stärken, den Nöten und Bedürfnissen der Bürger auf dieser unmittelbaren Ebene Rechnung zu tragen, war Joachim Erwin ein Herzensanliegen. Es wird nicht vergessen werden und muss jenen eine Verpflichtung sein, die sein Werk fortsetzen werden. Wir müssen sein Vermächtnis aufrechterhalten. Eine Stadt, die mutig ist, aber immer menschlich."

Stadtdirektor Helmut Rattenhuber, der Erwins Verwaltungsgeschäfte bis zur Neuwahl eines OB leitet, würdigte in seiner Rede das Stadtoberhaupt: "Vieles in der Stadt wird mit dem Namen Joachim Erwin verbunden sein und bleiben. Aus Selbstsorge, das Gemeinwohl zum eigenen Lebensinhalt zu erklären, zeichnet den wahren Kommunalpolitiker aus, der die Nähe zum Bürger sucht, im engen Kontakt mit diesem steht und agiert."

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers würdigte das Wirken des Oberbürgermeisters, der Düsseldorf zur schuldenfreien Stadt gemacht hat: "Joachim Erwin hat gekämpft. Er war ein Mann der Tat. Ein Unternehmer der Politik. Joachim Erwin hat gezeigt, dass Politik möglich ist, ohne unsere Kinder und Enkel zu belasten."

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma sprach als Weggefährte, Duzfreund und Präsident des NRW-Städtetages zu den Trauergästen: "Düsseldorf verliert einen Politiker, der das Gesicht dieser Stadt so kraftvoll geprägt hat wie kaum jemand vor ihm. Die Städte in Nordrhein-Westfalen und in der gesamten Bundesrepublik Deutschland verlieren in Joachim Erwin einen kompetenten, engagierten, streitbaren und manchmal unbequemen Verfechter der kommunalen Belange", sagte Schramma und ergänzte: "Dieser Mann sprühte förmlich vor Begeisterung für die Stadt Düsseldorf und seine Aufgaben. Und ich glaube, in dieser Begeisterung lag eine der wichtigsten Quellen für die ungeheure Energie, mit der Joachim Erwin bis zuletzt gearbeitet hat."

Die abschließende sehr persönliche Rede von Angela Erwin hat die Trauergäste tief berührt. "Dass er Oberbürgermeister geworden ist, war sein größter Lebenstraum und wir standen alle hinter ihm", sagte die Tochter des Verstorbenen, bei dem 2003 Darmkrebs diagnostiziert worden war. "Er hat sich nie beklagt. Er hat bis kurz vorher versucht, die Krankheit nicht Überhand nehmen zu lassen. Papa, wir lieben Dich. Wir werden Dich nie vergessen", erklärte Angela Erwin.

Musikalisch wurde die Trauerfeier umrahmt von den Düsseldorfer Symphonikern mit John Fiore als Dirigent. Gespielt wurden Robert Schumanns Symphonie Nr. 2 C-Dur op. 61 §. Satz, Adagio espressivo, Edward Elgars Nimrod (aus den Enigma-Variationen op. 36) und Johann Sebastian Bachs "Wachet auf, ruft uns die Stimme" aus der Kantate 140 in einer Fassung für Orchester.

Beerdigung OB Erwin
Der Trauerzug auf dem Nordfriedhof

In der Kapelle des Nordfriedhofs fand anschließend eine Trauerandacht für einen sehr engen Kreis aus Familie und Freunden statt. Superintendent Ulrich Lilie gestaltete diese Begräbnis-Feierstunde, ehe der Sarg in einem offenen Trauerzug zum Ehrengrab überführt wurde. Unter der Regie des St.-Sebastianus-Schützenvereins von 1316, deren Ehrenmitglied Joachim Erwin war, begleiteten Vertreter der anderen Vereine und Bruderschaften in ihren jeweiligen Uniformen mit rund 100 Fahnenabordnungen den mehrere hundert Meter langen Zug. Die St. Sebastianus Schützen stellten auch die Ehrenwache am Sarg. Begleitet wurde der Trauerzug neben der Familie und den Schützen unter anderem auch von Karnevalisten und drei Musikzügen.

(29. Mai 2008)

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Hinweis für Besucher des Nordfriedhofs:
Das Ehrengrab von Joachim Erwin ist am unteren Rand von Feld 71, links hinter der Kapelle zu finden.

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20. Nov. 2008 | 10:17 Uhr

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