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Platz für 1.000 Menschen auf dem Glashütten-Gelände

Werkstattverfahren mit eindeutigem Jury-Votum abgeschlossen

Platz für rund 1.000 Menschen in neuen Wohnungen und rund 80.000 Quadratmeter Gewerbeflächen sollen auf dem ehemaligen Gelände der Gerresheimer Glashütte entstehen. Nach einer Nachtsitzung entschied sich das Preisgericht unter Vorsitz von Architekt Professor Karl-Heinz Petzinka zum Abschluss des Werkstattverfahrens für das 31,5 Hektar große Gelände als Siegerentwurf für die Arbeit der Architekten Reicher Haase aus Aachen mit der Freiraumplanerin Hannelore Kossel aus Berlin sowie dem Junior Jochen Füge aus Haan. Petzinka: "Mit 11:1 Stimmen haben wir ein überzeugendes Ergebnis für einen überzeugenden Entwurf."

Gerresheimer Glashütte, Modellbild
Planungsdezernent Dr. Gregor Bonin, Joachim Herzig (Owens-Illinois) und Prof. Karl-Heinz Petzinka (von links) freuen sich über das Ergebnis des Werkstattverfahrens.

Petzinka lobte die hohe Qualität aller eingereichten Arbeiten. In der von der Jury auf Platz 1 gesetzten Arbeit sieht er die von den Auslobern Stadt und dem Unternehmen Owens Illinois aufgestellten Forderungen am besten umgesetzt. Kern des Entwurfes ist eine große Grünfläche im Zentrum. Flächen für den Wohnungsbau konzentrieren sich hinter einem für Gewerbe vorgesehenen Riegel parallel zur Straße "Nach den Mauresköthen". Sport- und Spielbereiche sind in Richtung Heyestraße angeordnet, die später abgebunden werden soll. Eine zentrale Erschließung erfolgt über eine neue Straße mitten durch das bisher abgekapselte Glashütten-Gelände. Der charakteristische 40 Meter hohe Turm soll erhalten bleiben und dem Gelände als Markierung dienen.

Nicht mehr als drei Geschosse

Turm der alten Gerresheimer Glashütte
Das Symbol für die Gerresheimer Glashütte.

Petzinka lobte im Sieger-Entwurf ausdrücklich die gelungene Integration der Düssel und den hohen Aufenthaltswert. Diese, wie auch alle anderen Arbeiten, haben den geforderten Grünanteil von 30 Prozent nach seinen Worten sogar noch übererfüllt. Für die komplette Entwicklung des Geländes rechnet er mit einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren, wobei möglichst mit der Verwirklichung der Wohnbereiche gestartet werden sollte. Die Höhe der Bebauung wird dabei zwei bis drei Geschosse nicht überschreiten. Wie immer bei solchen Verfahren gibt es noch Überarbeitungswünsche des Preisgerichtes. Dazu nannte er die Höhe der Bebauung in Nachbarschaft zum "Bauhaus", die Straßenplanungen rund um die Heyestraße oder auch die Frage der Erhaltensmöglichkeiten des gläsernen Turmes.

Zu klären bleiben auch noch Fragen einer möglichen Zwischennutzung. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, so Joachim Herzig vom Grundstückseigentümer Owens Illinois, dass viele Gebäude einsturzgefährdet sind. Für eine erste Begrünung wurde im Rahmen des Verfahrens der Vorschlag gemacht, heute noch asphaltierte große Flächen in Streifen zu öffnen und mit blau blühenden Blumen - in Anlehnung an das blau im Firmenzeichen der Glashütte - zu bepflanzen.

Rahmenplan Glashütte

Planungsdezernent Dr. Gregor Bonin kündigte an, dass nun auf der Basis des Siegerentwurfes zunächst ein "Rahmenplan Glashütte" entwickelt wird. Bei optimalem Verlauf der Planungsphase rechnet er in zwei Jahren mit dem nötigen Baurecht. Auch ihn hat das Ergebnis des Werkstattverfahrens sehr angesprochen: "Wir haben hier nun ein Konzept, das über Jahre trägt." Durch die Ansiedlung neuer Einzelhandelsnutzungen innerhalb des Planungsgebietes wird eine Aufwertung der bereits vorhandenen Strukturen an der Heyestraße angestrebt. Für einen Lebensmitteldiscounter soll eine Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern oder für einen Supermarkt von maximal 1.500 Quadratmetern vorgesehen werden. Ein Getränkefachmarkt und ein Zoofachmarkt sollen eine Verkaufsfläche von jeweils 600 Quadratmetern nicht überschreiten, so Bonin weiter.

Das Konzept des Entwurfes sieht in den Augen der Verfasser eine Komplettierung des heute bereits bestehenden "Parkringes" an der Düssel vor. Mit dem neuen Düssel-Park wird der übergeordnete Ring von Grünanlagen im Düsseldorfer Stadtgebiet ergänzt und damit eine wichtige Lücke in dem großräumigen Freiraumnetz von Düsseldorf geschlossen. Charakteristisch für das städtebauliche Konzept ist die Berücksichtigung vorhandener wichtiger Blickbeziehungen und Achsen. Durch die Weiterführung und Verlängerung der bestehenden Straßen und Wege wird das Areal nicht nur geöffnet, sondern auch mit der umliegenden Bebauung verbunden und verzahnt.

Gerresheimer Glashütte, Modellbild
Modellansicht des Planungsgebietes (PDF-Datei mit 2,8 MB)

Klare Gliederung der Nutzungen

Das Konzept sieht eine klare Gliederung in unterschiedliche Nutzungszonen vor. Das Zentrum des neuen Quartiers wird von einem kulturellen Nutzungsbaustein gebildet, welcher den Bestand selbstverständlich einbezieht und nutzt. Das "Bürgerforum" mit den für neue Nutzungen umgestalteten Gebäuden Kesselhaus und Energiezentrale fungiert dabei als Übergang zum und Eingang in den neuen Park. Die bauliche Nutzung wird durch großzügige, räumlich differenzierte Freiflächen für Veranstaltungen, Sondermärkte und Gastronomie unterstützt. An der Heyestraße kann sich ein urbanes Quartier mit einer Kombination unterschiedlicher Nutzungen entwickeln. In den Erdgeschossen ist eine Einzelhandelsnutzung längs der Heyestraße zur weiteren Stärkung des öffentlichen Raumes vorgesehen. An der Torfbruchstraße und der Straße "Nach den Mauresköthen" sind kleingewerbliche Nutzungen für Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe, in Kombination mit Wohnnutzung, geplant. Hier kann sich auch ein Fachmarktzentrum entwickeln. Die privilegierte Randzone im Norden des Düssel-Parks ist für Wohnnutzung mit unterschiedlichen Wohntypologien - Einfamilienhäuser, Stadthäuser, Reihenhäuser - vorgesehen.

Torfbruchstraße wird verlängert

Das Erschließungskonzept basiert auf einer klaren Hierarchie von Verkehrswegen. Die Haupterschließungsachse im Areal erfolgt über die nach Süden verlängerte Torfbruchstraße sowie die längs der Bahngleise geführte neue L 404 N. Von diesen für den überregionalen Verkehr bedeutsamen Achsen führen als Ringerschließungen Haupterschließungsstraßen in die Quartiere. Ein feinmaschiges Netz von Wohnstraßen sowie Fußwegen, welche insbesondere die Vernetzung mit dem umliegenden Freiraum sicherstellen, schließt sich hieran an.

Für die Verkehrstrasse der L 404 N entlang der Bahngleise ist ein Korridor vorgesehen, der den geplanten vierspurigen Ausbau der Strasse ermöglicht.

(10. Juni 2008)


Gerresheimer Glashütte, Modellbild

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20. Nov. 2008 | 10:37 Uhr

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