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Wiederaufbau zwischen Kontinuität und Neubeginn

Ausstellung "Architektenstreit" bis 31. August im Stadtmuseum / Düsseldorf als Vorzeigeort der Nachkriegsmoderne

Der Wiederaufbau Düsseldorfs nach dem Zweiten Weltkrieg gilt vielfach als besonders modern und ästhetisch gelungen. Die Entwicklung zur "Stadt modern" war aber auch von Auseinandersetzungen um Stadtplanung und Architektur, um unterschiedliche Stadtentwürfe gekennzeichnet. Düsseldorfs Weg zur modernen Architekturstadt der 1950er/60er-Jahre dokumentiert bis zum 31. August die Ausstellung "Architektenstreit - Wiederaufbau zwischen Kontinuität und Neubeginn". Zu sehen sind Karten, Pläne, Fotografien wie auch Ton- und Filmaufnahmen sowie Tagespresse und Archivalien. Die Schau im Stadtmuseum, Berger Allee 2, ist dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Friedrich Tamms' Neuordnungsplan aus dem Jahre 1949, davor Museumsdirektorin Dr. Susanne Anna und Bruno Braun, Vorsitzender des BDA Düsseldorf
Friedrich Tamms' Neuordnungsplan aus dem Jahre 1949, davor Museumsdirektorin Dr. Susanne Anna und Bruno Braun, Vorsitzender des BDA Düsseldorf, Foto Kai Kitschenberg.

Im Mittelpunkt der Diskussion, die 1952 im "Düsseldorfer Architektenstreit" kulminierte, stand die Frage, in welchem Maße mit dem politischen Neubeginn nach 1945 auch ein personeller und stilistischer Neuanfang in Städtebau und Architektur verbunden wäre. Die Ausstellung widmet sich der Entstehungsgeschichte des "neuen" Düsseldorf im Kontext des zeitgenössischen Diskurses um den Umbau und Neubau von Stadt, der lange vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges einsetzt.

In den 1920er-Jahren werden in Städtebau und Stadtplanung neue Ideen von Stadt entwickelt. Der 1927 vorgestellte Generalbebauungsplan für Düsseldorf enthält Elemente des aus der Gartenstadtbewegung hervorgegangenen Konzepts der "aufgelockerten Stadt", visiert eine stärkere Trennung der verschiedenen Stadtfunktionen (Arbeit, Wohnen, Verkehr) an und antizipiert die aus dem rasant wachsenden (Individual-) Verkehr resultierende neue Planungs- und Bauaufgabe des Straßenverkehrs, die zunächst an der Düsseldorfer Peripherie in Angriff genommen wird (Südbrücke, Ringstraße und andere). Die Gestaltung der Rheinfront (Rathauswettbewerb 1925 und Dauerbauten der GESOLEI) sowie Bau und Planung der ersten Hochhäuser sind weitere wichtige städtebauliche Projekte.

Dreischeibenhaus, Tausendfüßler, Tuchtinsel (1966)
Dreischeibenhaus, Tausendfüßler, "Tuchtinsel" (1966), Foto: Bleckmann, Stadtarchiv Düsseldorf

Ungleich größere Eingriffe in den Bestand und die Struktur der Stadt sahen die Planungen für die "Gauhauptstadt" Düsseldorf seit den späten 30er-Jahren vor. Neben den politisch motivierten monumentalen Entwürfen für Gebäude, Plätze und Straßenachsen in der Innenstadt (darunter ein neuer zentraler Gebäude- und Platzkomplex südlich des Hofgartens), setzen diese Arbeiten den bereits vor 1933 eingeleiteten Um- und Ausbau der technischen Infrastruktur, insbesondere des Straßennetzes, fort. Die verkehrs- beziehungsweise autogerechte Stadt wird zum städtebaulichen Äquivalent des Autobahnbaus und der anvisierten Massenmotorisierung (Volkswagen). Eine Reihe dieser Planungen, wie beispielsweise der "Durchbruch" der Immermannstraße in die Innenstadt und eine Parallelstraße zur Königsallee sind in abgewandelter Form nach dem Zweiten Weltkrieg realisiert worden.

Mit den fortschreitenden Zerstörungen der deutschen Städte im Zweiten Weltkrieg und den Planungen für den Wiederaufbau befasste sich ab 1943 der "Arbeitsstab Wiederaufbauplanung zerstörter Städte" unter der Leitung Albert Speers. Speer und seine Mitarbeiter (darunter der spätere Düsseldorfer Stadtplaner Friedrich Tamms) entwickelten unter der Prämisse, "dass hier die einmalige Gelegenheit gegeben ist, die Städte nach dem Krieg verkehrsmäßig wieder lebensfähig zu machen" planerische Grundsätze, die in erstaunlicher Kontinuität den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg mitbestimmten. Zu den ausgewählten Städten, für die der Wiederaufbaustab Pläne entwickelte, zählte auch Düsseldorf. Mit den Arbeiten wurde der Architekt Hanns Dustmann betraut.

"Architektenstreit" sorgt für landesweite Aufmerksamkeit

1948 übernimmt Friedrich Tamms die Stadtplanung Düsseldorfs. Seine Planungen sehen eine Neuordnung des Stadtgefüges vor, die in erster Linie auf eine technisch-funktionale "Modernisierung" des Stadtgrundrisses für einen möglichst reibungslosen Verkehrsfluss abzielt und auf die Repräsentation der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Düsseldorfs. "Eine Stadt, welche die ihr jetzt durch die Zerstörung gebotene Chance nicht nutzt und den seit langem unwirtschaftlich gewordenen Organismus im Stadtgrundriss nicht modernisiert, wird in absehbarer Zeit aus der wirtschaftlichen Konkurrenz der Städte ausscheiden", so Friedrich Tamms. In der Folge finden sich in Düsseldorf viele frühere Kollegen Tamms bei Planungen, Begutachtungen und Bauten wieder und prägen den Wiederaufbau der Stadt: Konstanty Gutschow, Hanns Dustmann, Helmut Hentrich, Rudolf Wolters, Julius Schulte-Frohlinde und andere.

Modell des Schauspielhauses, Bernhard Pfau (1059) - Akademie der Künste Archiv, Berlin
Modell des Schauspielhauses, Bernhard Pfau (1959), Foto: Akademie der Künste Archiv, Berlin.

Als Gegenpartei zu den Tamms-Planungen tritt seit 1949/50 der von Josef Lehmbrock und Bernhard Pfau initiierte "Architektenring" auf. Er kritisiert die Dominanz und Art der Verkehrsplanung mit ihren Einschnitten in das Stadtgefüge (wie zum Beispiel die neu geschaffene Berliner Allee), streitet für ein Wiederanknüpfen an die 1933 weitgehend verdrängte moderne Architektur und protestiert gegen die Dominanz von Planern und Architekten aus der Zeit des Nationalsozialismus beim Wiederaufbau Düsseldorfs. Mit der Berufung von Schulte-Frohlinde, dem früheren Leiter der Bauabteilung der "Deutschen Arbeitsfront", zum Leiter des Hochbauamts eskaliert 1952 die Auseinandersetzung zum "Düsseldorfer Architektenstreit", der landesweite Aufmerksamkeit findet.

Wenn sich schließlich auch in entscheidenden Punkten das Tamms'sche "Stadtmodell" durchsetzt, so markiert der Architektenstreit doch einen Wendepunkt im Wiederaufbau Düsseldorfs, von dem aus die Entwicklung des "neuen" Düsseldorf zu einem Vorzeigeort der Nachkriegsmoderne einsetzt. In der Architektur setzten sich die Bauten zum Beispiel von Bernhard Pfau, Paul Schneider-Esleben oder Helmut Hentrich durch. Der Leitplan von 1953/57 enthält mit der Planung für Plätze, Freiflächen und Hochhäuser Konzessionen an die Kritiker der "Korridorstadt". Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (fortgeschrieben im Generalverkehrsplan 1961) ergänzt das Primat der autogerechten Stadt.

(9. Juni 2008)


Begleitprogramm:

Die Ausstellung im Stadtmuseum - Kooperationspartner ist der Bund Deutscher Architekten Düsseldorf - wird begleitet von einer fünfteiligen Vortragsreihe. Das Themenspektrum reicht von "Albert Speers Architekten und der Wiederaufbau Düsseldorfs" (12. Juni) bis zu "Hans Schwippert und der Neuaufbau der Düsseldorfer Kunstakademie" (14. August). Öffentliche Führungen in der Ausstellung sonntags um 11 Uhr: 8. Juni, 22. Juni, 6. Juli, 20. Juli, 3. August, 17. August, 31. August.

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20. August 2008 | 10:11 Uhr

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