2008 wird Jan-Wellem-Jahr
Düsseldorf feiert den 350. Geburtstag des Kurfürsten/Unter seiner Ägide wurde die Stadt eines der kulturellen Zentren Europas
Im kommenden Jahr jährt sich zum 350. Mal der Geburtstag von Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, genannt Jan Wellem. Aus diesem Grund erklärt die Stadt das Jahr 2008 zum Jan-Wellem-Jahr. In zahlreichen Veranstaltungen wird vor allem geschichtlich und kulturell auf die Person Jan Wellems und deren Bedeutung für Düsseldorf eingegangen werden.
Porträt des Kurfürsten Johann Wilhelm II, genannt Jan Wellem
Jan Wellem wurde 1658 im Düsseldorfer Stadtschloss geboren. 1679 trat er als Kurfürst von der Pfalz und Erztruchsess des römischen Reiches die Jülich-Bergische Erbfolge an. Damit begann eine glänzende Periode in der Düsseldorfer Stadtgeschichte: Die Residenz wurde eines der kulturellen Zentren Europas.
Starke Impulse
Die Vielfalt seines Wirkens lässt sich in wenigen Worten nicht einmal andeuten, so seine Förderung der Musik und der Bildenden Kunst, der Bau des ersten Düsseldorfer Opernhauses, seine Sammlertätigkeit auf dem Gebiet der Elfenbeinschnitzerei, der Goldschmiedekunst, des gesamten Kunsthandwerks. Damit verbunden war das Aufblühen der Zünfte, ein besonderes Anliegen des Herrschers. In Düsseldorf strömten die Künstler, die Maler, Musiker, Kunstgewerbler, aber auch die Gelehrten zusammen. Manch stattliches Gebäude entstand in der niederrheinischen Residenz, deren Straßenbeleuchtung sogar die des damaligen Paris übertraf. Während seiner Regierungszeit (bis 1716) wurden die ersten protestantischen Gotteshäuser gebaut: Die Kirche an der Berger Straße und die Neanderkirche an der Bolker Straße. Auch die jüdische Gemeinde durfte an der Neusser Straße ihre erste Synagoge errichten.
So sehr sich der Kurfürst seiner Würde bewusst war, so volkstümlich gab er sich. Er zechte mit seinen Künstlern in der Altstadt. Er war stolz auf seinen Rang als Schützenkönig. Bei seinen Ritten übers Land erkundigte er sich nach den Sorgen der Bevölkerung. Seine Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrswesens erwiesen sich als segensreich, ebenso wie seine Bemühungen zur Förderung des Handels.
Hoch zu Ross auf dem Marktplatz

Jan-Wellem-Reiterstandbild vor dem Rathaus
Dieser Kurfürst ist immer noch dabei, wenn die Menschen dieser Stadt öffentlich und offiziell feiern, trauern oder sich einfach nur begegnen: In Bronze gegossen, hoch zu Ross, beherrscht der Kurfürst den Marktplatz, sieht sich von den Verwaltungs- und Repräsentationsbauten der Stadtdemokratie eingefasst, blickt auf das bunte Treiben der Altstadt. Schlagen die Wogen der Freude einmal besonders hoch - wie zum Beispiel jetzt in der Karnevalszeit - klettern auch schon mal Halbwüchsige auf das mächtige Schlachtross. Das ist dann nicht anders als der kleine Heinrich Heine es vor rund 200 Jahren tat, der von dort aus "auf das bunte Markttreiben" blickte.
Das mächtige Standbild, das sich der Kurfürst schon zu Lebzeiten (1711) setzen ließ, gilt als eine der bedeutendsten Barockplastiken nördlich der Alpen. Dieses Werk des gebürtigen Flamen Gabriel de Grupello wird wohl nur noch vom Standbild des Großen Kurfürsten übertroffen, das 15 Jahre zuvor Andreas Schlüter im fernen Berlin schuf und das heute vor dem Schloss Charlottenburg zu bewundern ist.
(31. Januar 2007)

